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Erasmus-Gymnasium     Denzlingen
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Kann man 200 Kilometer laufen?

Anmerkungen am Rande eines KI-Infoabends
Denzlingen (hg). Im Anschluss an die Podiumsdiskussion über das Thema „Künstliche Intelligenz in Bildung und Ausbildung“ vergangene Woche im Denzlinger Erasmus-Gymnasium gab es noch eine rege Aussprache. Die Aussage „An ChatGPT und anderen Tools der generativen KI führt auch im Schulalltag kein Weg mehr vorbei“ weckte nämlich bei einigen anwesenden Lehrern Erinnerungen an die Anschaffung von Computern in den Schulen vor über 40 Jahren. Dass man im Schulunterricht plötzlich den zweckmäßigen Einsatz eines Computers erklären sollte, war für viele Lehrer fortgeschrittenen Alters damals geradezu eine Horrorvorstellung, da sie dies selbst zuvor freilich nie gelernt hatten.

„Ich habe meine Grundschuljahre und (damals) weitere neun Jahre Gymnasium bis zum Abitur besucht und nach einem mehrjährigen Studium an der Universität und am Studienseminar sämtliche Examina ohne Computer abgelegt und seither viele Jahre an der Schule unterrichtet. Und nun soll ich plötzlich mit so einem komischen Gerät unterrichten?! Das kommt für mich überhaupt nicht in Frage!“ So ähnlich reagierten damals nicht wenige Lehrer an Schulen, wo heute selbstverständlich überall Computer im Einsatz sind.

Um die meist emotional geprägten Vorbehalte gegenüber einem PC-Einsatz in der Schule möglichst abzubauen, lud man auf Anregung des Oberschulamtes einen Fachmann von der „Bundesanstalt für Arbeit“ (heute „Bundesagentur für Arbeit“) in Nürnberg ein, der den Einsatz von Computern wie folgt als unverzichtbar begründete und damit zumindest viele Skeptiker überzeugte, nämlich wie folgt: „Ein geübter Wanderer, der regelmäßig zu Fuß unterwegs - und damit gut konditioniert ist, legt an einem Tag locker zehn oder sogar zwanzig Kilometer zurück. Bei 30 oder gar 40 Tageskilometern wird es sicher auch für geübte Wanderer bereits problematisch. Wollte man aber an einem Tag 200 oder gar noch mehr Kilometer zurücklegen, und zwar mit den Beinen und ausschließlich mit eigener Körperkraft, gibt es eine gute Möglichkeit, nämlich mit einem Fahrrad.

PC als „Hochschwindigkeits-Trottel“
Damit vergleichbar ist die Nutzung eines Computers. Mit Hilfe dieses Gerätes kann ein geübter Nutzer (User) unzählig viele Aufgaben erfüllen, die im Privat- und Berufsleben bewältigt werden müssen, die er jedoch ohne PC nicht leisten könnte. Dies ist möglich, weil man als Nutzer im PC gespeicherter fremder Intelligenz förmlich über sich selbst hinauswächst. Mit Hilfe eines Computers kann man jedenfalls ein Vielfaches dessen leisten, was einem mit Papier, Bleistift und Taschenrechner möglich ist. Der Computer ist allerdings nur ein Gerät, mit dessen Hilfe man gespeicherte Daten blitzschnell abrufen kann, womit man ihn zuvor programmiert, „gefüttert“ hat, ein „Hochschwindigkeits-Trottel“ also, wie ein Spezialist meint.

Ganz anders, nämlich ein echter „Quantensprung“, ist dagegen die Verwendung von „ChatGPT“ und anderen Tools der generativen KI. Mit KI bewegt man sich von der „dialogbasierten Ebene“ deutlich
weiter, nämlich in das „Zeitalter des Erledigens“: Sobald ich der KI etwas zu tun befehle, und zwar sogar mündlich, findet im Hintergrund eine Abfolge mit mehreren Schritten statt, wobei gewisse Dinge erledigt werden, zum Beispiel wird ein Telefonat geführt, eine Reise gebucht oder eine E-Mail geschrieben. Fast unglaublich, aber wahr. Nicht nur das Schulleben wird sich durch „ChatGPT“ sehr wahrscheinlich revolutionär verändern.

Text: Helmut Gall
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